Friedrich Merz und die Neidgesellschaft

Friedrich Merz hat ein Problem: Ein CDU-Vorsitzender ist immer auch zumindest ein heißer Kandidat für das Amt des Bundeskanzlers, weswegen seine Kandidatur für den CDU-Vorsitz von der Öffentlichkeit eben nicht als parteiinterne Angelegenheit wahrgenommen wird. Wäre dabei die Frage in des Fokus gerückt, was Merz denn in den letzten Jahren eigentlich gemacht hat, wäre das durchaus nachvollziehbar. Aber darum ging es nur am Rande. Statt der Frage, wie er sein Geld verdient hat, ging es nahezu ausschließlich darum, wie viel Geld er verdient hat. Merz ist nach eigenen Angaben Einkommensmillionär. Allein das scheint ihn in den Augen vieler für das Kanzleramt zu disqualifizieren.

Dumme Fragen, unpassende Antwort

Friedrich Merz ist zu Recht wenig begeistert davon, dass er der einzige Kandidat für einen Parteivorsitz ist, der ständig nach seinen Einkommens- und Vermögensverhältnisse gefragt wird. Danach werden weder seine Mitbewerber noch die Chefs der anderen Parteien gefragt. Offenbar wird von den Medien hier der Neidreflex vieler bedient, denen wirtschaftlicher Erfolg per se verdächtig erscheint. Das ist umso bedenklicher, da das Bild der „abgehobenen Politiker“, die angeblich nichts von den Problemen der normalen Bürger wissen, ein zentrales Element der Propaganda des äußeren rechten Randes ist. Darauf zu antworten, indem sich der Einkommens- und Vermögensmillionär kurzerhand zum Angehörigen der „Mittelschicht“ erklärte, war allerdings auch nicht allzu geschickt. Da wird sich so mancher Studienrat und leitende Angestellte fragen, ob er denn wirklich gemeint ist, wenn mal wieder von der „Mitte der Gesellschaft“ die Rede ist.

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